DAS HISTORISCHE BUTTERMILCHERZ VON ST.ANDREASBERG

 

 

Eines der seltsamsten Silbererze, das der St.Andreasberger

Bergbau in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts hervorgebracht

hat, war wohl das historische sogenannte Buttermilcherz. Den

Namen dürften vermutlich Harzer Bergleute geprägt haben, die

unmittelbar diese weiße Flüssigkeit in den Drusen des St.Georg-

Stollens am Beerberg, vielleicht auch in der Grube Theuerdank,

gesehen haben. Frappiert waren die Alten wohl über den hohen

Silbergehalt dieser weißen Flüssigkeit und die leichte

Ausschmelzbarkeit. Chemische Kenntnisse gab es damals noch nicht

im heutigen Sinne. Nur Schmelzen im Feuer gab Aufschlüsse über

Metallgehalte.

Was ist Buttermilcherz nun und was enthält es? Ca.bis zum Ende

der 1780er Jahre wusste man nur, dass die Substanz hoch

silberhaltig war. Erst der Berliner Chemiker Martin Heinrich

Klaproth hat das Buttermilcherz von der Grube St.Georg chemisch

untersucht und dessen Zusammensetzung festgestellt und zwar an

einer Stufe, die heute noch im Mineralogischen Museum für

Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin aufbewahrt wird

und sogar im Internet als eines deren ältesten Stücke zu sehen

ist. Allerdings in der ursprünglichen flüssigen Form lag das

Buttermilcherz nicht mehr vor. Wie die Alten schon geschrieben

haben, wurde es an der Luft trocken und es verblieb eine tonige,

meistens bläulich aussehende Masse. Der mit Klaproth

zusammenarbeitende Dietrich Ludwig Gustav Karsten, der das

Königliche Mineralienkabinett in Berlin verwaltete, benannte

diese bläuliche weiche Art als toniges Hornerz.

Klaproth hatte sich in den 1780er Jahren mit der chemischen

Untersuchung der Silbererze beschäftigt. Er stellte dabei fest,

dass es sich bei dem Buttermilcherz um eine Unterart des

Hornerzes oder auch Hornsilber, heute Chlorargyrit genannt,

handelte.

Den Inhalt des Hornerzes analysierte er mit seinen einfachen

Mitteln wie folgt:

Hundert Theile enthalten also wie er schreibt:

Silber 67,75

Salzsäure 21,00 (Chlorid)

Eisenerde 6,00

Thonerde 1,75

Schwefelsäure 0,25

96,75 (Die Restsubstanz konnte wohl nicht geklärt werden.)

Danach untersuchte er eine Probe des Buttermilcherzes wie folgt:

Hundert Theile dieses Buttermilchsilbers enthalten also:

Silber 24,64

Salzsäure 8,28

Thonerde nebst einer Spur von Kupfer 67,08

100,00

Klaproth berichtete über diese Untersuchungen in den Jahren 1788

bis 1795 mehrmals vor der Berliner Akademie der Wissenschaften

und verfasste mehrere schriftliche Arbeiten darüber.

Scheinbar hat sich dann rd. 200 Jahre lang nichts getan, bis das

im Mineralogischem Museum der Berliner Humbold-Universität

befindliche Stück erneut und mit modernen Methoden untersucht

wurde. Hoppe und Damaschun berichten ausführlich darüber.

Sie stellten fest, dass Klaproth mit seinen damaligen

Untersuchungsmethoden schon ziemlich genau analysiert

hatte.Allerdings ergab die moderne Untersuchung um 1986, dass das

Buttermilcherz aus äußerst feinkörnigem Chlorargyrit (AgCl)

und die tonigen Bestandteile aus mehreren Schichtsilikaten, wie

Talk, Serpentinit und Saponit, besteht.

Der einzige unter den vielen früheren Schriftstellern, die über

das Buttermilch- und Hornerz von St.Andreasberg berichtet und es

mit eigenen Augen gesehen haben, war wohl der

Schullehrer und Pastor Johann Funcken (auch Funke oder Funk), der

in der Zeit von1567 bis 1629 in St. Andreasberg gelebt hat. Er

muß sich schon sehr mit den Bergleuten verbunden gefühlt haben,

sonst wäre er sicherlich nicht rd 62 Jahre in der damals als

abgelegen geltenden Gegend geblieben.Mit dazu beigetragen hat

wohl auch, dass er mit einer Tochter des Bergmeisters Prössel

verheiratet war. Er kann vielleicht auch etwas verglichen werden

mit dem Joachimsthaler Pastor Johann Mathesius, der auch

Jahrzehnte die Bergleute betreute und sich sehr mit Bergbau und

Mineralien befasst hat. Berühmt ist Mathesius, der auch Agricola

persönlich gekannt hat, durch seine Predigten, die er in den

Jahren 1552 bis 1564 jeweils zur Fastnacht gehalten hat und unter

dem Namen " Sarepta oder Bergpostill" im Jahre 1562

herausgegeben hat. Funcken mag sich jedoch nicht ganz so intensiv

mit der Mineralogie gewidmet haben wie Mathesius. Jedoch hat er

im Jahre 1617 einen längeren Bericht über den Andreasberger

Bergbau und schöne Mineralstufen geschrieben.

Es soll hier nur auszugsweise sein Bericht das Buttermilcherz

betreffend aus Henning Calvörs Werk "Historische Nachricht

von den Unter- und gesamten Ober-Harzischen Bergwerken zitiert

werden (gedruckt 1765):

"Es hat sonderlich Gott durch wunderbahren Segen dieses

Bergwerk gesegnet mit mancherley schönen Arten von reichen Erz,

die auf andern fürnehmen Bergstädten unbekannt seyn, darüber

sich sonst wolerfahrne Bergleute verwundert, wenn sie alhier

gefahren, und die Erze gesehen, wie ich dasselbe selbst auf den

Zechen gesehen und gehöret habe, welches Gott durch seine

Allmacht, wunderbahre Kraft, und Operation unter der Erden in

Klüften und Gängen ziegelt, würket, und schaffet, da er sein

Laboratorium hat, und ein solches Feuer, welches alle ignes

Alchimistarum artificiales übertrift. Etliches ist rein und

gediegen Silber, densum & sine excoctione purum, das etliche

pflegen Bauren erz zu nennen, darum, dass es so kentlich ist, und

dass man Haken darein schneiden kann, wie in einen Thaler. Man

findet auch Stücklein in Drusen gediegen, die ihre Knöpfe

haben, als wenn sie ein Goldschmied gemachet, und poliert hätte.

Auf St. Georgen habe ich gesehen, da ich mit dem Schichtmeister,

Peter Göttinger dazumal gefahren, darüber sich auch zu

verwundern, dass der Steiger eine Druse im Gange angetroffen,

darin hat reich Erz gestanden, weiß und dünne, wie eine

Buttermilch, das man herausgeschöpfet in ein Glas, und als es in

der Luft getrocknet worden, war es wie Thon, keinem Metall

ähnlich, wie auch das weisse milde Erz, und hielt doch der

Centner über 100. Mark Silber, da denn, als die reichen

Ausbeuten gegeben, in den Gruben vorm Ort, und auf etlichen

Stossen rein gediegen Silber und roth gulden Erz sehr mächtig

stund."......

"...Auf dem Theuerdank hat man auch reich Erz gehabt, als

rarum & friabile, wie man es nennet, mild Erz, das mit der

Hand hat können getrieben werden, war weiß in der Grube, wenn

es an die Luft kam, ward es blau, und mild, wie ein Thon, doch

von Silber reich. Man hat es in der Hütte für kein Gebläse

bringen dürfen, sondern nur in Bley in eiserne Pfannen

eintränken müssen. Ich habe selber gehöret von einem alten

Bergmann, Hans Höfener, so auch hier Geschworner war, der

dazumal auf dem Theuerdank gearbeitet, dass dasselbe weiße milde

Erz vorm Orte im Gange zwischen dem Gestein gestanden, als wenn

eine weiße Handschwele (Handtuch ) zwischen dem Gestein wäre

niedergesenket gewesen."

Das vorstehend von der Grube Theuerdank beschriebene weiße milde

Erz, welches angeblich an der Luft blau wurde, war mit größter

Wahrscheinlichkeit Buttermilcherz. Allerdings konnten die Alten

damals noch nicht wissen, dass sich die Substanz durch Licht und

nicht durch die Luft blau färbte. Aber Luft kam ja auch in die

Stollen, sonst hätten die Bergleute nicht atmen können. Die

Verfärbung kam, wie wir heute wissen, durch den Inhalt von

Silber und Chlor zustande. Den Vorgang der Farbveränderung kennt

heute jeder durch die mit Silberchlorid beschichteten Filme in

der Fotografie.

Übrigens an einem auf Halde vor Jahren gefundenem Steinbrocken

wurde dieser Vorgang vom Verfasser beobachtet. Nach Zerschlagung

des Stückes kamen weiße Pusteln zu Tage, die sich nach ein paar

Tagen blau gefärbt hatten, was den Beweis erhärtete, dass es

sich bei dem Stück um Buttermilcherz handelte.

Pastor Funcke hat also die in der Anfangszeit besten

Ausbeutejahre von etwa 1550 bis ca.1574 mitgemacht, aber auch den

stetigen Rückgang der Erträge ab 1575 und damit große Notlagen

in der Bergstadt bis zu seinem Tode 1629 erlebt.

Allerdings ist die erste Beschreibung des St.Andreasberger

Buttermilcherzes nicht im Harz erfolgt, sondern im Erzgebirge. Im

Jahre 1590 hat bereits der Sächsische Bergschreiber Petrus

Albinus in der "Meißnischen Bergchronik" das

Buttermilcherz beschrieben.

Auch hieraus mit eigenen Worten die betreffende Passage

bezüglich der Grube St.Georg :

" In welcher Zech dis für nemlich als seltzam und gleich

alls unerhört und derhalben gedenkwirdig sich zugetragen, das

man allda ein weis fliessend gediegen Silber antroffen, einem

Quecksilber gleich, welches aus dem Gang und Drusen geflossen,

das mans mit Henden zusammengeraffet und sobald es ins Feuer

kommen, von Stund an fein worden, dessen ich von glaubwirdigen

Leuten berichtet bin. Wie etliche reden ist dasselbe Ertz gleich

wie eine Buttermilch gewesen, sobald es aber ein weil in der

Lufft gehalten worden oder auch in Gefessen verwahret, darinnen

manns weich zu behalten vermeint, ist es hart worden, gleich

einem Sand oder Grieß und ist die weiße Farb auch in braun oder

rüstig verändert worden."

Offenbar hat es solche hoch silberhaltende buttermilchähnliche

Flüssigkeiten im Harz nur in St.Andreasberg gegeben und in

Deutschland wohl nur noch im Erzgebirge.Über den Fund im

Erzgebirge aus dem Jahre 1556 berichtet Thomas Schreiber 1678 in

seinem Werk "Kurzer historischer Bericht von Anfang und

Aufkunft der Harz-Bergwerke" wie folgt:

(auszugsweise) Es ist aufm Abertham in St.Lorenz Fundgrub (in der

Nähe von St.Joachimsthal) gediegen Silber in einem Stempel

gewachsen und dieses laufende 1556 Jahr aus der Grube kommen,

daraus wir lernen können, dass Klüfte und Gänge noch ihre

saamhafte Art haben, die Gott durch sein sprechen in die Erde

geschaffen daraus er natürlicherweise lässt das Erz wachsen.

Denn da sich der Steiger auf St.Lorenz umsiehet.........., wannen

es dahin gesintert sei, wird er seiner weiß in der First, dass

es getroffen sei aus einem schwebenden Felde, dass oben und unten

hinten und fornen verfahren, welches nur seine Bergfeste noch

hatte, kaum 3 oder 4 Spannen dick und siehet, dass eine weise

Guhr oder molckenfarb Wasser, wie ihr Bergleut redet, erstlich

auf den Stempel gesiegen oder gesiefert und aufm Stempel in das

Bühnloch gerunnen und hernach im liegenden herabgeflossen und

sich allda gesiefert, angelegt oder erharschet hatte."

Das Hornerz muß im Gegensatz zum Buttermilcherz etwas häufiger

vorgekommen sein.Noch bevor Klaproth in den 1780/90er Jahren

diese Erze untersucht und bereits ziemlich genau analysiert

hatte, wurden von dem Sächsischen Bergmeister Hieronymus Lommer,

der das Hornerz aus Johann- Georgenstadt im Erzgebirge bereits

kannte, schon umfangreiche Untersuchungen angestellt. Im

wesentlichen hatte er neben dem hohen Silbergehalt schon das

Salzsaure darin (Chlorid) festgestellt..

Das Buttermilcherz und auch das derbe und krustige Hornerz waren

keine attraktiven Minerale, nur sehr selten. Dadurch bedingt

wurde schon damals erstaunlicherweise viel Schindluder insofern

damit getrieben, als andere Stufen als Buttermilcherz und

Hornsilber verkauft wurden. Insbesondere wohl Stufen mit Cerussit

und Talküberzügen.

Kaum einer der älteren Schriftsteller versäumt es, darauf

hinzuweisen. Schon Lommer schreibt in seiner Abhandlung vom

Hornerze als einer neuen Gattung Silbererz 1776:

"Man hielte Johann-Georgenstadt allein für dessen (Hornerz)

Vaterland, und ich habe zu bemerken, dass wie die Menge der

Mineraliensammler durch das eingebrochene Hornerz nicht zu

befriedigen gewesen, ein zugleich auf hiesigem Gebirge

eingebrochener Hornstein mit gestricktem Silber, gewinnsüchtigen

Stuffenhändlern zur Gelegenheit diente, hiermit in manchen

Sammlungen die Lücken vom Hornerz listig auszufüllen.

Auch E.L.von Bose bringt in einem Artikel in den Schriften der

Gesellschaft Naturforschender Freunde in Berlin 1788 zum

Ausdruck, wie mit den vorgenannten Silbererzen versucht wurde,

gute Geschäfte zu machen.Er schrieb, dass ein neuer Anbruch auf

der Grube Bergmannstrost, des an mannigfaltigen Erzeugnissen so

reichen Berggebäudes in St. Andreasberg, Kalkspatdrusen mit

einem neu entdeckten seltenen Katzensilbers gebracht habe, welche

als Neuigkeit von den Stufenhändlern sehr gesucht und

hochgehalten werden.. Von Bose hat also eine solche Stufe gekauft

und bei deren Ansicht vermutet, dass es sich um Buttermilcherz

handeln müsse. Eine von ihm angestellte Untersuchung hat ihn

dann jedoch enttäuscht, weil er kein Silber feststellen konnte

und nur Bleispath, heute Cerussit genannt, in dem Überzug auf

dem Stück feststellen konnte.

Er meinte, dass schon andere Mineralogen es ohne nähere

Untersuchung bezweifelt haben, dass diese Art das wahre

Buttermilcherz sei. Womöglich sind alle Stufen von der Grube

Bergmannstrost nicht das "ächte" Buttermilchsilber und

die Angabe von mehreren Schrift-stellern, die diese Grube als

Fundort für Buttermilcherz angegeben haben, könnte angezweifelt

werden

Selbst J.F.L. Hausmann weist in seinem "Handbuch der

Mineralogie" 1813 darauf hin, dass unter dem Begriff

"Toniges Hornsilber" Dasjenige was jetzt bald aus

Unkunde, bald aus absichtlichem Betruge hin und wieder für

Buttermilchsilber ausgegeben wird, ist theils Bleispat (heute

Cerussit), theils schuppiger Talk, theils aber sogar durch

Säureaufguss verunstalteter Kalkspat

Auch Georg Gebhard übergeht diese Betrügereien in seinem Buch

"Harzer Bergbau und Minerale St. Andreasberg",

herausgegeben in den 1980 er Jahren, nicht. Auf Seite 151 ist ein

historischer Sammlungszettel aus der Zeit von 1750 - 1800

abgebildet, der, wie Gebhard schreibt, einer Nakritstufe von der

Grube Catharina Neufang beigefügt war und wohl zur

Wertsteigerung als Buttermilchsilber deklariert wurde.

Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass im sogenannten inwendigen

Revier, in dem die Gruben Bergmannstrost und Catharina Neufang

liegen, Buttermilchsilber und Chlorargyrit gefunden wurde. Es ist

aber auch möglich, dass diese Fundortangaben durch die

gefälschten Sammlungsstücke bedingt wurden. Und wie es dann so

ist, ein Schriftsteller schreibt es und andere schreiben ohne

weitere Prüfung nur noch ab. Zu prüfen wäre in diesem

Zusammenhang mal, ob die vorgenannten Gruben in der Zeit von

ca.1750 bis 1800 überhaupt in den Oxidationszonen noch gebaut

haben, denn nur darin kamen ja das Buttermilchsilber und das

Hornerz vor.

Die wohl umfangreichste und modernste Dokumentation über das

Buttermilcherz haben wohl G.Hoppe und F.Damaschun unter dem Titel

"Das historische Buttermilcherz von St.Andreasberg

(Harz,BRD) ein Gemenge von Chlorargyrit und

Schichtsilikaten" 1986 vorgenommen.

An einer Stufe, die der Berliner Mineraloge D.L.G. Karsten 1791

zum Preis von 25 Talern, was damals viel Geld war, als

"ächtes" Buttermilcherz von der Grube St. Georg

St.Andreasberg von einem Mineralienhändler für das Königliche

Mineralienkabinett erworben hatte, wurden seinerzeit von Klaproth

die obengenannten Untersuchungen vorgenommen..

Auf dieses Sammlungsstück, das heute noch im Mineralogischen

Museum der Humboldt- Universität Berlin vorhanden ist, ist diese

sehr stolz, da es sich um eines der ältesten Stücke des Museums

handelt. Man kann sich diese Stufe im Internet ansehen. Wer

interessiert ist, findet diese Seite am einfachsten, wenn man

über die Suchmaschine Google den Begriff "

Buttermilcherz" eingibt und dann über den erscheinenden

Link das Museum anklickt.

Hier an der Humboldt-Universität wurde an diesem Stück neue

Untersuchungen mit modernen Methoden etwa Anfang der 1980er Jahre

vorgenommen und das Stück als echt befunden. Zweifel an der

Echtheit waren noch mal aufgekommen, weil ein aufgeklebter

Begleitzettel es als Cerussit bezeichnet hatte.

Welche Wellen damals in Fachkreisen die Verwechselungen des

Buttermilcherzes mit häufigeren Mineralien schlugen, beweist

eine Passage von Hoppe und Damaschun. Danach hat selbst der

berühmte und weit gereiste Alexander von Humboldt sich mit der

Materie befasst. In einem Brief aus 1794 gibt von Humboldt seinem

Freund F.C.Freiesleben, der auch zwei Bände über den Harzer

Bergbau und darin auch eine längere Passage über das

Buttermilcherz geschrieben hatte einen Hinweis, " daß

Karsten was über das Buttermilcherz veröffentlichen wolle.

Passen Sie wohl auf. Er hat Klaproth eine Stufe untersuchen

lassen, die ich Werner (berühmter Professor in Freiberg) zeigte

und die er für ein Kunstprodukt hält"

Heute dürften nur noch wenige Stufen, vermutlich weniger als vom

berühmten Samsonit, von Buttermilcherz und Chlorargyrit von St.

Andreasberg weltweit in den Museen und Privatsammlungen vorhanden

sein. Die sehr umfangreiche TU-Sammlung sowie auch die Sammlung

des Oberharzer Berwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld enthalten

lt. Anfrage hiervon kein Material.

Zum Schluß möchte der Verfasser noch darauf hinweisen, dass er

dankbar wäre für Hinweise über das Vorhandensein und Verbleib

von Andreasberger Buttermilcherzstufen.

Wer an weiteren Informationen über das Buttermilcherz

interessiert ist, kann über die Homepage des Verfassers,

www.Harz-Mineralien.de, veröffentlichte Artikel lesen.

Literatur

ALBINUS, P.(1590): Meißnische Bergk Chronica, Dresden

BOSE, von,E.L.(1788) Beschreibung und Untersuchung eines unter

dem Namen eines

Neuentdeckten seltenen Katzensilbers vom Andreasberg-Schriften

der Gesellschaft

Naturforsch.Freunde zu Berlin, S.204-208

CALVÖR, H. (1765):Historische Nachricht von der Unter-und

gesamten Ober-Harzischen Bergwerke, Braunschweig

HAUSMANN,J.F.L.(1847):Handbuch der Mineralogie, Göttingen,

2.Band

HOPPE ,G. & DAMASCHUN.F.(1986): Das historische

Buttermilcherz von Andreasberg(Harz BRD),ein Gemenge von

Chlorargyrit und Schichtsilikaten- Chemie der Erde 45,S.147-158

HOPPE,G. & OTTO,H. (1989) Vom Buttermilcherz- Emser Hefte

Nr.2/1989, S.33-37

KARSTEN, D.L.G. (1795):Über das Harzer Buttermilcherz-N.Schr.der

Ges.naturforschender Freunde, Berlin, S.219-227

KLAPROTH, M.H. (1795): Chemische Untersuchung der Silbererze-

Beitr.z.chem.Kenntnis der Mineralkörper,Bd.1, Posen

Lommer, C.H. (1776) Abhandlung vom Hornerze als einer neuen

Gattung Silbererz, Leipzig

MATHESIUS,J. (1562) Sarepta oder Bergpostill, Nürnberg

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S I L B E R - R A U S C H  in  ST. A N D R E A S B E  R G

n

Silberrausch in St.Andreasberg und sonderbare Erze Diese Periode bezieht sich auf die Zeit von 1520 bis etwa1574. Den ersten bekanntgewordenen größeren Fund vonSilbererzen datiert Calvör (1765) : „wenn denn Anno 1521 ein edler Gang am Beerberge in einerKlippe eine quere Handbreit mit Glanzerz angetroffen, auf dem man beim Fortbaureichhaltige rothgültige Erze Nesterweise gefunden, wie der OberbergmeisterHartzig mir solches berichtet, so sind die Herren Grafen dadurch veranlasset worden,in eben diesem Jahre ein Bergfreiheit zu publicieren“...... Andere Historiker benennen das Jahr 1520 als ersten größerenFund. Allerdings wurde hier schon früher geschürft, was die ersteUrkunde von 1487 über St.Andrewsbergbelegt. Zwei Gruben waren zu der Zeit mindestens im Gange. Wo genau dieseGruben lagen ist nicht bekannt. Damit auch nicht der Berg an dem diese Grubenbauten, der nach dem Bergheiligen St.Andreas vermutlich von Schürfern aus demMansfelder Bereich so benannt wurde, da dort dieser Bergheilige besondersverehrt wurde. Man muß sich die Gegend um 1487 als totale Oednisvorstellen. Den Ort St.Andreasberg gabes noch nicht. Die Lage und Gründung wurde erst 1528 von den Grafen vonHohnstein festgelegt und nun auch nach dem Berg benannt, der also inunmittelbarer Nähe oder unmittelbar in der Ortslage der Bergstadt gelegen haben muß. Die höheren und markanteren Berge lagen und liegen um die Ortschaft herum,umrahmt von den höheren Matthias-Schmidt-Berg (663 m),Glockenberg (627 m)Galgenberg (594 m) oder Beerberg mit 658 m nur etwas niedriger als der Matthias-Schmidt-Berg. Nach der ersten Urkundevon 1487 muß der Bergbau oder Sucharbeitenschon einige Jahre früher in dieser Gegend umgegangen sein. Aber wievielfrüher? Sicherlich nicht in die Zeit bis 1287,1296,1297 in denen auch schonnach den v.g.Urkunden über Bergbautätigkeiten oder andere Berechtigungen (Holz)in diesem Gebiet berichtet wurde. Neben den Örtlichkeiten die heute nochbekannt sind, wie der Breitenberg, der Tambach, der Vogelsberg, der Sperrenbergund der Sonnenberg, ist ein Berg, der Rupenberg, nicht mehr örtlichzu lokalisieren. Über die Lage gibt es verschiedene Theorien, auf diehier nicht näher eingegangen werden kann. Um diese Frage richtig klären zukönnen, kann man nur darauf hoffen, daß noch unbekannte Urkunden oder Nachweisedarüber gefunden werden. Durch die diversen territoritalen Veränderungen indiesen Zeiten können diese allerdings sehr verstreut sein. Seltsam ist schon,daß innerhalb der vorgenannten Örtlichkeiten sozusagen ein unbenanntes Gebietliegt, womöglich das heutige St.Andreasberg? Warum sollen nicht die Montanen aus dem Mansfelder Land, bei denender Bergheilige St.Andreas besonders verankert war, nicht dieses unbenannteGebiet,( der Name Rupenberg war womöglich in den rd. 200 Jahren inVergessenheit geraten) den St.Andreasberg benannt haben? Allerdings dürfte einmarkanter Berg in diesem Bereich doch wahrscheinlicher sein als eineunscheinbare Stelle im Ortsgebiet, vielleicht der Beerberg? Da hier schonfrüher Bergbau bezeugt ist. Von den Spekulationen, wieder zu den Fakten. Nachdemim Jahre 1520 oder 1521 in einer Klippeam Beerberg ein handbreiter Gang mit Glanzerz (wahrscheinlichAkanthit/Argentit) heute noch vonMineraliensammlern mit Silberglanz bezeichnet, und reichaltigen NesternRotgülden (wahrscheinlich Pyrargyit) gefunden wurde, ergab sich ein„Berggeschrey“ und die Kunde über diesenSilberfund breitete sich schnell aus, und insbesonders aus demErzgebirge strömten die Bergleute herbei, zumal die Grafen von Hohnstein schon1521 die erste Bergfreiheit für Lutterberg (Bad Lauterberg), worunter auch derSt.Andreasberg fiel, erlassen hatten,die den Bergleuten besondere Vorteile bot.Sie hatten u.A. das Recht, Holz für alle möglichen Bedürfnissezu schlagen, Häuser, Ställe und Scheunen zu bauen, Schenk- und Brauhäusereinzurichten, Wege –und Zollfreiheit war zugesichert. Auch Leute, dieanderweitig Schulden gemacht hatten, konnten hier nicht belangt werden. Schon1527 wurde eine erweiterte Bergfreiheit erlassen. Man mag sich garnicht vorstellen, wie primitiv die erstenBergleute hier gehaust haben. Da ja Bad Lauterberg der nächstgelegene Ort mitHäusern war, aber trotzdem nicht täglich zu Fuß zu bewältigen war, wurdensicherlich in der Nähe der Gruben Hütten oder Blockhäuser und sonstige Notunterkünfte erbaut, um auchdie kalten Harzer Winter zu überstehen. Nachdem die Grafen von Hohnstein 1528die Lage für die zu gründende Stadt festgelegt hatten und sich wohl auch dieSilberfunde verbessert hatten, setzte ein Run hauptsächlich aus dem Erzgebirge ein, der schon an dieZustände an die Goldräusche in Kalifornien und Alaska erinnert. Bis 1537 gab esoffenbar keine Aufschreibungen über Ausbeuten und ein Bergmeister wurde aucherst für dieses Jahr mit Matz Göbelbenannt. Zu diesem Zeitpunkt gab es angeblich ( Günther 1909) in St.Andreasberg bereits 300 Häuser und 2000 Einwohner. Honemann (1754) schreibt,daß in 1537 bereits 116 Zechen gebauetund in den wöchentlichen Anschnitt gebracht wurden. Daß es bei dieser Dichtedrunter und drüber ging verwundertnicht. Darüber schreibt Honemann (1754)): „Es ist auch zu verwundern, was für eine Begierde,vornehmlich in den Jahren 1536 und 1537 unter den Leuten zum Bergbau gewesen,da fast allerwärts zu Andreasberg eingeschlagen wurde, und einer vor dem andernoft keinen Raum hatte, weswegen vieleGewerken miteinander, theils über Muthungen, theils auch, daß sie sich zu naheund in die Vierung gekommen, in Streit geriethen. Das alte beym gräflichHohnsteinschen Bergamte gehaltene sogenannte Einredebuch besaget,daß allein indem 1537ten Jahre kurz hinter einander an die 26 Einreden einer Gewerkschaftder andern geschehen, ......“ Gier ist also keine neue Erfindung der heutigenGesellschaft und der Reichen, sondern gab es früher genau soschon. Die Welt hat sich dahingehend nicht verändert, obwohl es uns heute vielbesser geht. Ab 1537 liegen Aufschreibungen vor. Von da ab bis 1541 habenhauptsächlich die Gruben St.Johannis Enthauptung und der Jakobstollen Ausbeutegegeben. Diese Gruben lagen am Beerberg. Das läßt vermuten, daß hier nach demgrößeren Silberfund von 1520 am meistem geschürft wurde. Das waren natürlichkleine und kleinste Gruben, deren Pingen man z.T. womöglich heutzutage noch amBeerberg erkennen kann.In der ganzen Umgebung von St.Andreasberg wurde geschürft, nur, es waren aber auch, wie manspäter erst erfahren hat, absolut taube Berge darunter. Am Sonnenberg,Sperrenberg, Matthias-Schmidt-Berg nur etwas in der Nähe der Ruschel, sowie derSieberberg, bargen keine Silbererze.Schürfer, die hier ihre Versuchsbaue angelegt hatten,setzten sich enttäuscht bald wieder vermutlich nach Norden in dasBraunschweigisch/Wolfenbüttelsche Herzogtum mitZellerfeld,Wildemann,Lautenthal, Bad Grund , ab, wo Herzog Heinrich der Jüngerekrampfhaft nach Bergleuten suchte. Dieser Herzog hatte seine Anwerber sogar bisTirol geschickt, die auch etwas Erfolg hatten. Doch diese Bergleute zogen baldwieder ab, weil das Gestein ganz anders und viel härter war als in ihrer Heimat. Dazu kam eine ganz andere Lebensart. Von 1542 bis 1548 sind gar keine Ausbeuten gegeben worden.Nachdem in den Jahren von 1549 bis 1553 die Gruben St.Jakobsstollen und St.Anna neben einigen anderen Gruben kleinere Ausbeuten gegeben hatten, spuckte imJahre 1554 Trinitatis die Grube Theuerdank am Beerberg 30 Taler pro Kux aus.Damit begannn eine der silberreichsten Zeiten für diese Bergstadt in der erstenPhase des Bergbaues. Dieser Beerberg im sogenannten „auswärtigem Revier“ gelegen, erwies sich als großer Silberbringer, dennnoch größere Ausbeuten als der Theuerdank gegeben hat, war die Grube St. Georg.Diese Grube, deren verschütteter Stolleneingang von Tambachseite aus noch heute erkennbar ist, erwies sich alswahrer Glücksfall mit immensen Reicherzen in seltsamster Art. Dieser Stollen wird auch alsButtermilchstollen bezeichnet, wo später noch drauf zurückzukommen ist.St.Georg schüttete allein im Jahre 1567 eine Ausbeute von 232 Talern pro Kux andie Gewerken aus. Diese Grube taucht bis 1590noch in den Ausbeutelisten auf, allerdings nicht mehr mit denexorbitanten Zahlen der 1570er Jahre-.Ein Glücksfall für die heutigen Historiker, Bergbaufreundeund Mineraliensammler war ein Zeitzeuge aus dieser ersten großen Zeit von St.Andreasberg. Es handelt sich um den Schulmeister und Pastor Johann Funck, oderFuncken, wie er auch genannt wird. Er lebte 62 Jahre ( von 1567 bis 1629) inSt.Andreasberg, zuerst als Schullehrer und Rektor, dann als Pastordiakonus dann als PfarrstelleninhabenderPastor. Er war verheiratet mit einer Tochter des Bergmeisters Georg Prössel,was ihm natürlich viel Möglichkeiten hinsichtlich des Bergwerks gab. Im Jahre1617 schrieb er seinen Bericht über die Andreasbergischen Bergwerke. (Calvör1765) Als Vorbild diente ihm womöglich der Joachimsthaler Pastor Matthesius,der ja bekanntlich mehrere Artikel über Bergwerkssachen und Lebensverhältnisseder Bergleute geschrieben hatte. In die sachlichen Berichte flossen auch immermit ein, christliche Belange und Hoffnungen , daß Gott möge reichen Segen zumBergbau geben. Eine Passage, worausdieser Zusammenhang zu ersehen ist, wird hier zitiert: „Es hat sonderlich GOTT durch wunderbahren Segen diesesBergwerk gesegnet mit mancherley schönen Arten von reichen Erz, die auf andernfürnehmen Bergstädten unbekannt seyn, darüber sich sonst wolerfahrne Bergleuteverwundert, wenn sie alhier gefahren, und die Erze gesehen, wie ich dasselbeselbst auf den Zechen gesehen und gehöret habe, welches GOTT durch seine Allmacht,wunderbahre Kraft, und Operation unter der Erden in Klüften und Gängen ziegelt,würket, und schaffet, da er sein Laboratorium hat, und ein solches Feuer,welche alle ignes Alchimistarum artificiales übertrift. Etliches ist rein undgediegen Silber, densum & fine excoctione purum, das etliche pflegenBaurenerz zu nennen, darum, daß es so kentlich ist, und daß man Haken dareinschneiden kann, wie in einen Thaler. Man findet auch Stücklein in Drusengediegen, die ihre Knöpfe haben, als wenn sie ein Goldschmied gemachet, undpolieret hätte. Auf St.Georgen habe ich gesehen, da ich mit dem SchichtmeisterPeter Göttinger dazumal gefahren, darüber sich auch zu verwundern, daß derSteiger eine Druse im Gange angetroffen, darin hat reich Erz gestanden, weißund dünne, wie eine Buttermilch, das man daraus geschöpfet hat in ein Glas, undals es in der Luft getrocknet worden, war es wie Thon, keinem Metall ähnlich,wie auch das weiße milde Erz, und hielt doch der Centner über 100 MarkSilber, da denn, als die reichen Ausbeuten gegeben, in den Gruben vorm Ort undauf etlichen Stossen rein gediegen Silber und roth gulden Erz sehr mächtigstund. Wenn man mit dem Grubenlichte dazu fuhr, war es anzusehen, undleuchtete, wie ein schöner durchsichtiger Rubin. Etliches aber war dichte und dunkel, wurden reine Handsteinenachgeschlagen, die zu viertel, halben, und drey viertel Centner hatten. Aus 3½ Cent.Erz auf St.Georg seyn 500 MarkSilber gemachet worden.“ Doch es erhebt sichdie Frage, welche seltsamen Erze er nach heutiger Kenntnis beschrieben hat? Daswird sich wohl praktisch nicht mehr feststellen lassen, es sei denn, die altenGänge könnten nochmal befahren werden und mit modernen Mitteln untersuchtwerden.So bleibt es mehr oder weniger Spekulation. Aus diesen Aufzeichnungen geht hervor, daß er mehrere Zechenbefahren hat. Seine Begeisterung für schöne Mineralienstufen und Silberstufenbringt er zum Ausdruck. Den Ausdruck Baurenerz kannte man schon im Erzgebirgeund betrifft das helle gediegene Silber, das jeder Laie leicht erkennen kann.Dann die wunderschönen Mineralstufen mit verschiedenen Silbererzen darauf. Anden Wänden, was rubinrot leuchtete, war das Rotgültigerz, später Pyrargyrit undProustit genannt. Aber noch mehrfasciniert hat ihn und die anderen Bergleute scheinbar eine andere Erzart, eineganz unscheinbare, keinem Metalleähnlich, aber hoch silberhaltig, nämlich das Buttermilcherz undHornsilber. Wie konnte es sein, daß diese tonartig aussehende weiße Masse imtrockenen Zustand, die andere Bergfachleute auch aus anderen Gebieten nichtkannten, einen so hohen Silbergehalt haben, den zweihöchsten nach dem Akanthitaller Silbererze nach dem ged. Silber. Man konnte ja damals noch nichtanalysieren, sondern es wurden Schmelzproben gemacht wodurch die Metallefestgestellt wurden. Nicht auszuschließen ist, daß hier der hohe Silbergehaltdurch Zufall entdeckt wurde. Heute wissen wir, daß Hornsilber, heuteChlorargyrit genannt, rd.75% Silberanteil hat, und 25% Chlor. Der berühmteBerliner Prof. und Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1795) hat als erster mitseinen für heutige Begriffe einfachen chemischen Methoden den Inhalt desHornsilbers und Buttermilcherzes festgestellt und veröffentlicht. Zu der Analyse des Buttermilcherzes im getrockneten Zustand(sozusagen eine durch Tonmineralien „verunreinigte“ Art des Hornsilbers)schrieb er: „Hundert Theile dieses Buttermilchsilbers enthalten also: Silber24,64Salzsäure 8,28Thonerde nebst einer Spur von Kupfer 67,08 100,00„ Die Stufe, an der Klaproth das Buttermilcherz untersuchthat, stammte von St.Andreasberg aus der Grube St.Georg und wird heute als eineder ältesten Sammlungsstücke imMineralogischen Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin alsRarität aufbewahrt. Das Buttermilcherz in flüssiger Form, das die Fundstelleerst berühmt gemacht hat, war sicherlich eher die Ausnahme. In derOxydationszone konnte Oberflächenwasser in Höhlungen und Klüfte eindringen undsich dort sammeln. Man kann sich vorstellen, daß sich darin leichteSchwebeteilchen von Hornsilber/Buttermilcherz gelöst hatten und darum die weißeFarbe abgaben. In seiner Rückbesinnung schreibt Funck begeistert weiter: „Es bricht auch wol ein grau und schwarz mild Erz, dasauch reich ist, wie desgleichen ein schwarz Erz, dichte und dunkel, so manpfleget schwarzen Glanz zu nennen, welches am Silber oft auch reich ist. AufSt.Georg brach von Silber und roth guldenes reich Erz, das derb und gediegenwar. Wenn daselbst in der Grube Feuer gesetzet war auf den Freytag zu Nacht,oder Sonnabend früh, das feste Gestein zu heben, und die Bergleute auf denMontag wieder anfuhren, war das Silber auf dem Gange vom Erz geflossen, daß esmit Lust zu sehen, und mit dem Erz nachzuschlagen war. Auf dem St.Johannis oderSt.Jacobs-Stollen, wie der Durchschlag in der Weinstocker Feld gemachet war,brach ein schön Glaserz, wie auf den Oberlänischen Bergstädten, das sonstenhier seltsam, aber reich von Silber, man konnte mit einem Messerhaken dareinschneiden wie in Bley. Sonsten bricht auch Glaserz alhier gemeiniglich aufGängen, die Kupfer-und Silbererz führen, so auch wol zwey Mark und darüberhält. Auf dem St.Jacob brach von reichen Erzen ein solcher Handstein, daß einJublirer (Juwelier) von Leipzig 500. Thaler dafür bot, waren in selben62 !/2 Mark Silber gewesen. Auf dem Theuerdank hat man auch reich ertz gehabt,als rarum & friabile, wie man es nennet, mild Erz, das mit der Hand hatkönnen getrieben werden, war weiß in der Grube, wenn es an die Luft kam, wardes blau, und mild, wie ein Thon, doch von Silber reich. Man hatte es in derHütte für kein Gebläse bringen dürfen, sondern nur in Bley in eiserne Pfanneneintränken müssen. Ich habe selber gehöret von einem alten Bergmann, HansHöfener, so auch hier Geschworner war, der dazumal auf dem Theuerdankgearbeitet, daß dasselbe milde Erz vorm Orte im Gange zwischen dem Gesteingestanden, als wenn eine weiße Handschwele (Handtuch??) zwischen dem Gesteinwäre niedergesenket gewesen. Es ist auch dasselbe Erz so milde gewesen, daß dieArbeiter, wenn sie ausgefahren, Schuhe und Strümpfe haben abwaschen müssen, undist von demselben Schlam Silber gemachet worden, und dasnoch mehr, und etlichenwol unglaublich vorkommen mögte, das trübe Wasser, so vom Gange auf den Stollengeflossen, und am Grase und Laube dieselbe Trübe hängen blieben, und truckenworden, hat das Gras und Laub Silber gehalten, daß auch Sümpfe gemacht worden,daß das trübe Wasser aus einem in den andern gelaufen, und sich darin die Trübehat setzen müssen.“..... War die Identifizierung des Chlorargyritsbzw.Buttermilcherzes nach den Beschreibungen eindeutig, wird es mit den anderenBezeichnungen schwieriger. Das Blauwerden der weißen milden Masse hingallerdings nicht mit der Luft zusammen, sondern mit dem Licht. Es war dergleiche Effekt des Silberchlorids, wie er später auf Zigmillionen von Filmen inder Fotoindustrie genutzt wurde.In dieser Passage weist Funck auf ein grau /schwarzes mildesErz hin, und ein schwarzes Erz dichte und dunkel. Die Begriffe mild und dichtekann man sicherlich als weich und hartannehmen. Demnach könnte das grau und schwarz mild Erz auf das Silbermineral Akanthit hindeuten. Dieserist das silberreichste Mineral nach dem gediegenen Silber, etwas reicher nochals der Chlorargyrit. Der Akanthit hat nach der mineralogischen Härtetafel nach Mohs (1822) nur eine Härte von 1,5 (zum Vergleich: ( Talk hat die Härte 1 und Diamant die größte Härte mit 10). Mit dem hohen Silbergehalt dieses Minerals kann auch die Reichhaltigkeit der Grube St.Georg mit begründet werden. Bei dem schwarz Erz, dichte und dunkel, kann man an Dyskrasit denken, der eine Härte von 3,5 nach der Skala hat und als spröde gilt. Er enthält etwa 72 % Silbergehalt und 28% Antimon. Nach Wilke ( 1952) war der Dyskrasit für die Lagerstätte St.Andreasberg das Haupt-Silbererz. Leider meistens nicht in schönen Kristallen, sondern mehr oder weniger derbeingesprengt.Die Einordnung der von Funck beschriebenen Grubeninhalte ist auch deshalb schwierig, weil die Begriffe „Glaserz“ und „Glanz“ seinerzeit verschiedenen Mineralien beigelegt wurde. Bis im 17.Jahrhundert der Begriff Hornsilber für diese Silberart sich durchsetzte, lief dieses Erz unter dem Namen Glaserz (Mathesius u.a.). Aber gleichzeitig wurde der Name Glaserz auch für den Akanthit verwendet, was eine heutige Deutung der damaligen Erzfunde schwierig macht. Das Glaserz, das Funck beschreibt, welches auf Gängen bricht, die Kupfer-und Silberreze führen, und „wol zwey Mark und mehr enthält“kann eigentlich nicht auf Akanthit,Hornsilber und Dyskrasit hinweisen wegen des geringeren Silbergehaltes. Hier wäre wohl eher an silberhaltendes Fahlerz zudenken. Der Fund von reichen Silbererzen aussehend wie eineButtermilch hat die Bergwerkswelt inAufregung versetzt, denn schon im Jahre 1590 (Funck erst 1617) hat derSächsische Bergschreiber Petrus Albinus schon in der Meißnischen Bergchronikdas Buttermilcherz von St.Georg in St.Andreasberg erwähnt wie folgt: „ In welcher Zech dis für nemlich als seltzam und gleichalls unerhört und derhalben gedenkwirdig sich zugetragen, das man allda einweis fliessend gediegen Silber antroffen, einem Quecksilber gleich, welches aus dem Gang und Drusen geflossen, das mans mit Henden zusammengeraffet und sobald es ins Feuer kommen, von Stund an fein worden, dessen ich von glaubwirdigen Leuten berichtet bin. Wie etliche reden ist dasselbe Ertz gleich wie eineButtermilch gewesen, sobald es aber ein weil in der Lufft gehalten worden oderauch in Gefessen verwahret, darinnen manns weich zu behalten vermeint, ist eshart worden, gleich einem Sand oder Grieß und ist die weiße Farb auch in braunoder rüstig verändert worden.“ Es fällt auf, daßaußerhalb des Harzes eher über das Buttermilcherz berichtet wurde, als im Harzselbst. Hatte man Angst, daß z.B. im Erzgebirge diese Erzart übersehen werdenkonnte? Denn im ausgetrockneten Zustand sah dieses leichte bröselige Kram sehrunscheinbar aus. Die richtig tollenAusbeuten gingen in den 1570er Jahren zu Ende. Dann plätscherten die Ausbeuten so dahin. Wollte Funck mit seinem relativ späten Bericht über die guten Jahrewieder baulustige Gewerken anlocken? Oder hat man Funck seites der Obrigkeitoder der Bergbehörde gebeten, als Augenzeuge die Verhältnisse der damaligen Zeit für die Nachwelt festzuhalten? Es darf spekuliert werden. Angemerkt sei noch, daß indiesem Bericht von Funck das Feuersetzen in St.Andreasberg zum erstenmal erwähnt sein dürfte. Dieser Artikel basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern zum großen Teil auf Annahmen und Vermutungen, die aber vielleicht Anlass für weitere Diskussionen sind. Benutzte Literatur:ALBINUS,P. (1590): Meißnische Bergk Chronica , S. 14, 110, Dresden CALVÖR, H. (1765) :Historische Nachrichten von den Unter-und gesamten Oberharzischen Bergwerken, BraunschweigGÜNTHER, Friedrich (1909): Die älteste Geschichte der Bergtadt St.Andreasberg und ihre Freiheiten-.Z. Harzverein Geschichte und AltertumskundeHONEMANN,L. (1754): Die Altertümer des Harzes, 2.Teil, S. 122, 123,ClausthalKLAPROTH, M.H. (1795): Chemische Untersuchung der Silbererze-Beitr.z.chem.Kenntnis der Mineralkörper,Bd.1, Posen MATHESIUS, J. (1562) Sarepta oder Bergpostil, Nürnberg MOHS, Fr. (1822 Härteskala) Mineraloge WILKE, Albrecht (1952) Die Erzgänge von St.Andreasberg imRahmen des Mittelharz-Ganggebietes.In Beihefte zum Geologischen Jahrbuch, Heft 7